"Das Café der guten Wünsche" - Marie Adams

In der Liebe geht es darum, die Sprache des anderen zu lernen - das kann selbst im eigenen Land schon schwer genug sein.

 

 

Verlag: blanvalet

Ausführung: Taschenbuch

ISBN: 978-3-7341-0278-3

Preis: 8,99 [D]

                9,30 [A]

 

© Cover- und Zitatrechte: blanvalet

 

Die Handlung

"Man musste das Buch des Lebens nur zu lesen wissen."

~Marie Adams, "Das Café der guten Wünsche", S. 286

 

Lass dich von dem nostalgischen Flair des Café Juliette umhauen! Eine bunte Mischung der verschiedensten Möbel - und dabei pure Harmonie.

Drei Freundinnen leiten ein Café mit einem unglaublich charmanten Konzept: Jedem Gast einen Wunsch hinterherzuschicken. Julias Überzeugung nach verlassen die Gäste das Café mit einer wohligen inneren Ruhe.

Aber auch für sich selbst hat sie neben dem Erfolg des Cafés und der ewigen Freundschaft zu Laura und Bernadette einen Wunsch: Ihre Jugendliebe Jean wieder zu treffen.

Doch was ist wenn sich plötzlich ein Pessimist - im krassen Kontrast zu ihrer positiven Aura - in Wohnung und Herz stiehlt?

Die Rezension

Man stolpert als Leser in eine Geschichte der 50er: Wie Julias Großmutter Juliette (ebenso wie sie heute sie selbst) mit ihren beiden Freundinnen zusammen in einem Café saß und bei einer dampfenden Tasse Kaffee ihr Herz ausschüttete. Schnell wird also klar, dass eine tiefere Verbindung zu der mittlerweile verstorbenen Frau besteht. Beide versprühten eine postive und friedliche Aura und beide waren so herzensgut, dass sie jedem bloß das beste wünschen. Leider gilt dies nicht für die gesamte Familie: Denn da ist noch Bruder Nick; BWL-Student und Geschäftsmann, der nach dem Motto "Der Kapitalismus ist die einzig gerechte Form. Gut ist, was dir Erfolg bringt."  (S.294)  agiert und dabei schaut er sich auch nicht davor, selbst in der eigenen Familie zu intrigieren. Hauptsache, sein Geschäft läuft.  Auch das wird dem Leser schnell bewusst, da nicht Julia ihre blumigen Fantasien ihren Bruder betreffend erzählt, sondern die komplette Geschichte in der dritten Person geschrieben ist. Und das nahtlos, denn dieses Buch verfügt über keine Abtrennung der Kapitel. Es wird lediglich ein Absatz gelassen und der erste Buchstabe größer geschrieben, wenn die Person, von der erzählt wird, wechselt. Zwar ist das Anfangs vielleicht ein wenig verwirrend, doch spätestens nach den ersten zehn Seiten hat man sich an den kapitellosen Übergang des Schauplatzes und der handelnden Figuren gewöhnt. So war ich auch verwirrt, als es plötzlich um einen Robert ging. Ich musste erst kurz realisieren, dass Julia, über die zuvor erzählt wurde, plötzlich nicht mehr in diesem Abschnitt vorkommt und sie auch nicht in irgend einer Art und Weise neben ihm steht. Wobei ich mir den direkten Kontakt Julias mit einem solchen Pessimisten (oder wie er sich selbst bennent: Realisten) auch nicht sonderlich vorstellen konnte. Umso klüger war es dann wohl eingefädelt, dass sie dadurch aufeinander treffen, dass er bei ihr in die WG einziehen will, die frei wird. Und das er sich anfangs verstellt auf Anraten Nicks. Auch hier wieder ein sicheres Zeichen, wie wenig er von ihr hält, so abwertend wie er über seine Schwester spricht.

 

Aber zurück zum Wichtigen: Julia und Robert. Letzterer beginnt ungewöhnlich schnell ,sich in die junge Frau zu verlieben und macht eine große Veränderung durch, für die ich ihn nur bewundern konnte. Aber all das noch bevor man die erste Hälfte durchgelesen hatte. Denn dann wird einem plötzlich bewusst, dass Robert noch viel komplexer ist, als es zu Beginn scheint. Die Autorin scheint sich über die beiden Hauptcharaktere richtig viel Gedanken gemacht zu haben. Das ging jedenfalls mir durch den Kopf. Liebevoll und mit viel Witz - so sind die beiden Protagonisten. Beide haben eine herzzerreißende Vergangenheit und nachvollziehbare Beweggründe für ihr Verhalten. Alles scheint sich im Laufe des Lesens zu einem Puzzle zusammenzufügen. Die Zusammenhänge zwischen Charakter und Vergangenheit sind in direkter Art und Weise miteinander in `Verbindung zu bringen. Und das war etwas, was mir besonders gut gefiel.

 

Auch andere Punkte und Figuren konnten mir die Geschichte nicht zunichte machen. Weder Dörte, die andere Frau, in die Robert sich verliebt, noch der Schreibstil der Autorin. Denn dieser ist bestimmt mindestens so gut wie die Walnusstorte, die im Café Juliette so beliebt ist. Vor allem vor dem Hintergrund, dass er zu Julias blumiger Weltansicht passt und zu ihrem unendlichen Nettsein.

 

Darüberhinaus denke ich tatsächlich, dass eine Stadt wie die ihre auf jeden Fall eine Julia gebraucht. Eine, die ihre Prinzipien verfolgt (auch wenn sie manchmal etwas naiv ist - jedoch nicht so, dass es nervtötend sein würde) und ihr Ding durchzieht. Eine weltoffene, junge Frau, die zwar Probleme mit der Buchhaltung hat, aber es dennoch fertig bringt, ein Café auf die Beine zu stellen, welches gut besucht ist und ihre Ideale widerspiegelt.

Und vor allem daher, dass sie sich für die Probleme der Mitmenschen interessiert und ihnen ein offenes Ohr schenkt. Etwas, was man in einer jeden Gesellschaft braucht. Einen Zuhörer sehnt sich ja wohl jeder so manches mal herbei...

 

Das Cover und der Klappentext versprachen mir eine zuckersüße Geschichte. Und die hab ich auch bekommen. Es ist einfach nur schön. Es ist Balsam für die Seele und unendlich romantisch.

Das Fazit

Nicht nur das Café hat ein charmantes Konzept - das Buch ist es mindestens ebenso viel. Mit viel Witz, Charme und vor allem literarischer Kunst geht Marie Adams die Themen Selbstständigkeit, die Macht der Gedanken, der geschriebenen Worte und der Liebe und den Glauben an diese an.

Glücksgefühle bleiben beim Lesen dieses Romans sicherlich nicht aus!

5/5 wohlverdienten Sternen

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