"Die Farben des Blutes", 3: "Goldener Käfig" - Victoria Aveyard


! Spoilerwarnung !

Bei diesem Band handelt es sich bereits um Band 3 der vierteiligen Reihe. Spoiler für die ersten beiden Teile sind enthalten.

"Jetzt weiß ich, dass das alles Kalkül war. Maven hat mich in die Falle gelockt, in die Falle eines Prinzen. Jetzt sitze ich im Käfig eines Königs. Aber er sitzt ebenfalls darin. Meine Ketten sind die Stiller-Steine. Seine Kette ist die Krone"

~S.219

Genre: Fantasy

Verlag: Carlsen

Erscheinungsdatum: 30.06.2017

Ausführung: Hardcover

Seitenanzahl: 639

ISBN: 978-3-551-58328-4

Preis: 23,99€[D]; 24,70€[A]

 

© Cover- und Zitatrechte: Carlsen



Die Handlung

"Er ist in Gedanken ganz weit weg. Und unter seinem Kragen kriecht ein Hauch von Grau hervor, das seinen Hals und seine Ohrläppchen färbt. Er hat Angst.

Kurzzeitig freut mich das. Doch dann fällt mir wieder ein: Monster sind dann am gefährlichsten, wenn sie sich fürchten." 

~S.185

Nachdem Maven Mare, seinen nun wertvollsten Besitz, erstmal gefangen hält, zwingt er sie in die Öffentlichkeit und nutzt sie für seine Zwecke.

Für Cal scheint kein Mittel zu hart, Mare zurück zu holen, sie aus den Fängen dieses Irrsinnigen zu befreien - er geht für sie selbst über Leichen und verliert vollkommen die Ziele der Scharlachroten Garde aus den Augen, die ihm gegenüber eher feindselig gestimmt ist. 

 

Kann die Garde den intriganten König überhaupt noch aufhalten? Maven spinnt ein feines Netz aus unerwarteten Bündnissen, Intrigen, Lügen und Versprechungen. Es scheint, als benötigen sie hierfür Mare. Doch sie ist gut bewacht weggesperrt und wird wie etwas Kostbares immer dann heraus geholt, wenn Maven einen neuen Schachzug plant.

Die Rezension

Was haben nicht scharen von Fans der Reihe sehnlichst auf diesen dritten Teil gewartet - auch ich war darunter. Obwohl mir der vorherige Band, der zweite Teil, nicht so recht gefallen hat. In diesem war ein ständiges Hin und Her, doch nichts tat sich. Mare war lediglich auf der Suche nach Neublütern und trainierte mal noch eben zwischendurch. Doch dieser dritte Teil sollte den Ärger über Band 2 wieder verdrängen - und stießt sogar noch Band 1 vom Thron.

 

Zwar spielt sich auch hier erstmal von Seiten Mares alles bloß im Palast ab, wo sie wie Mavens persönliches Hündchen gehalten wird, doch zwischendurch bekommt man auch noch Einblicke in das Schaffen der Scharlachroten Garde, der Morgendämmerung, der Revolution, aus Camerons Sicht - der Neublüterin, die vollkommene Stille auf Neublüter und Silberne herabsenken kann und die für die meisten nichts weiter, als eine kratzbürstige, tödliche Waffe ist. Man sieht, dass auch im Lager der Revolutionäre Rassenfeindlichkeit groß geschrieben wird - doch hier sind die wenigen  Silbernen die Außenseiter. 

Doch auch Mares erneutes Leben im Palast lebt von Abwechslung, die ich in Band 2 schmerzlich vermisst hatte. Mal sitzt sie in ihrem goldenen, seidenen Gefängnis und wirft wütend Gläser gegen die Wand, mal plant sie Fluchtversuche, mal streitet sie sich mit Evangelina in unermüdlicher Kraft, die selbst die Haft nicht zerstören kann, mal wird sie in die Öffentlichkeit gezerrt und ein andermal liefert sie sich ein kräftezehrendes Duell mit Maven.

 

Bei beiden Erzählsichten merkt man, dass endlich mal etwas im Umschwung ist. Die Hierarchie, wie sie noch besteht, scheint ihr Ende zu nehmen...

Doch dazu müssen sie immer noch Mare befreien. Es bleibt also spannend in Norta und den umliegenden Staaten, die sich immer mehr einmischen und eine größere Rolle für das Königreich spielen, als zuerst gedacht.

 

Während alle dem, erhält man als Leser die Chance, dieses neue Gesicht Mavens endlich zu verstehen.

Der Schreibstil der Autorin unterstützt immer das, was sie gerade erzählt, passt sich dem an, was gerade geschieht. 

Maven beispielsweise wird vollkommen grotesk beschrieben:

"Maven Calore ist nicht der, der er ursprünglich einmal war. So viel hat er mir erzählt. Er ist ein Konstrukt, das Ergebnis der Additionen und Subtraktionen seiner Mutter. Ein Automat, eine Maschine, seelenlos und verloren. Was für ein Horror zu wissen, dass so jemand unser Schicksal in seiner zitternden Hand hält."

~S.254

Victoria Aveyard scheint generell gerne mit Worten und Metaphern zu experimentieren, aber sobald sie ihr Meisterwerk der Groteske und des Widerspruchs Maven beschreibt, scheint es kein Halten mehr zu geben. Ich hab ein genaues Bild des verrückten Königs vor Augen: blasse Haut, dunkle Locken, Augenringe und ein Blick der sowohl Menschen täuschen kann und alle in seiner Hand hält, als einen auch erdolchen kann.

Manchmal wird er so krass beschrieben, dass sich eine Gänsehaut an meinen Armen ausbreitet beim Lesen.

Auch hier kapselt sich also wieder heraus, wie mitreißend dieser dritte Teil ist. In allen Belangen. 


Schließlich wird der Leser vorerst aus der Geschichte entlassen mit einer Reihe an beunruhigenden Fragen. Bereits bei den letzten beiden Teilen hatte die Autorin ein Händchen für Cliffhanger, die dem Leser schwer auf dem Herzen lasten - doch dieser hier toppt das nochmals. So viele Fragen, so viele ungeklärte Verstrickungen, Intrigen...

Es drängt schon wieder, dass der nächste - und letzte - Teil heraus kommt.

Das Fazit

Faszinierend, grotesk an den richtigen Stellen, mitreißend, dramatisch,... All das ist der Roman und noch so viel mehr. Lesen ist geradezu ein Muss. 

Mit viel Liebe zum Detail erzählt Victoria Aveyard auf ca. 640 Seiten die Geschichte vom Anfang einer Revolution und dem stetigen Fall eines großen Königreichs der Unterdrückung. 

Man sprüht geradezu selbst Blitze vor Spannung.

5/5 Sternen


Die Autorin - Victoria Aveyard

Victoria Aveyard studierte Drehbuchschreiben an der University of Southern California. Mittlerweile arbeitet sie als freie Autorin und pendelt zwischen ihrem Heimatort in Massachuserrs und Los Angeles hin und her.

"Die rote Königin", Band 1 der Reihe, war ihr Debüt und sogleich ein Bestseller-Erfolg weltweit. Ebenso war der Folgeband "Gläsernes Schwert" sowohl New York TImes-, als auch SPIEGEL-Bestseller.


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